Hintergründe von Harnsteinen

Harnwegsinfektionen können einerseits durch Bakterien, andererseits durch Kristalle in der Blase entstehen.

Harnwegsinfektion durch Kristalle können durch Struvit-, Oxalat-, Urat- und Cystein-Steine entstehen. Nachfolgend wird zunächst auf Struvit und Oxalat näher eingegangen

Bei Katzen nennt man die Erkrankung FLUTD.

Katzen, die unter Struvit oder Oxalat leiden, können mit Verschluss oder ohne verschluss  erkranken.

Verschlüsse können entweder durch die Kristalle entstehen oder sind durch Schleimpfropfen mit oder ohne Struvit/Oxalat möglich.

Diese Verschlüsse treten bei Katern häufig in der Harnröhre auf.

 

Symptome

Katzen, die ein Verschluss haben, zeigen in den ersten 6 bis 24 Stunden folgende Symptome:

Sie versuchen häufig Urin abzusetzen, laufen unruhig hin und her, schreien, verstecken sich, lecken sich ständig Genitalien, wirken verängstigt.

Wird der Verschluss innerhalb der 36 bis 48 Std. behoben, dann zeigen sie charakteristische Symptome einer postrenalen Azotämie (Vermehrung stickstoffhaltiger Proteine im Blut), Anorexie (Magersucht), Vomitus (Erbrechen), Kollaps, Dehydration (Austrocknung), Azidose (Störung des Säure-/Basen-Haushalts im Blut mit Abfall des pH-Werts unter 7,36) mit Hyperventilation, Herzrhythmusstörungen , Todesfall, geschwollene überdehnte Blase.

Die Todesrate bei Struvit liegt bei 6 bis 30 % (hauptsächlich durch Hyperkalämie ( übermäßig viel Kalium im Blut) und Urämie (Niereninsuffizienz)).

Wichtig ist bei einer Obstruktion, dass der TA mit entsprechender Behandlung die Obstruktion behebt, die sonst lebensgefährlich sein kann. Darauf wird hier nicht näher eingegangen, sondern auf den TA verwiesen.

Wichtig bei Obstruktion ist noch ein EGK  , um das Ausmaß der Hyperkalämie festzustellen, und die Bestimmung von Harnstoff im Blut., mittels einer Blutabnahme.

Katzen, die keinen Verschluss  haben, zeigen folgende Symptome: Pollakisurie (häufige Entleerung kleiner Harnmengen), Hämaturie (Blut im Urin), Dysurie/Strangurie (Schmerzen beim Wasserlassen), Schmerzäußerung während des Harnabsatzes, Urinieren an unerwünschten Stellen, Lecken am Genital.

(Nelson S. 609-610, 676-677, 686-687)

 

Allgemeine Diagnose bei Hanwewgsinfektion durch Kristalle:

Um heraus zu finden, was das Tier hat, ist es wichtig, sowohl den Urin mittels Harnanalyse und bakteriologische Untersuchung mit einem Resistenztest zu analysieren, als auch das Sediment, um heraus zu finden, welche Kristalle vorhanden sind (Urin innerhalb einer halben Stunde bakteriologisch untersuchen, sonst gekühlt aufbewahren, wenn dies nicht befolgt wird, kann die Urinprobe verfälscht werden, da Bakterien sich bei Raumtemperatur alle 45 Min. verdoppeln. Ebenfalls ein falsches Ergebnis bekommt man, wenn der Urin eingefroren oder länger als 12 bis 24 Stunden gelagert wurde.)

Wichtig ist weiterhin, dass das Tier geröngt und geschallt wird (Ultraschall), um das Ausmaß und das Vorhandensein von Urolithen (Harninfektion durch Kristalle) festzustellen.

Struvit-Kristalle und Cystin entstehen hauptsächlich im alkalischen Urin. Calciumoxalate, Urate und Silikate hauptsächlich im sauren Urin. Im Folgenden wird nur näher auf Struvit und Calciumoxalat eingegangen. .(Nelson S. 611-613)

 

Struvit: (Magnesiumammoniumphosphat)

Ursache:

Damit Struvit entstehen kann, muss ein ph-Wert dauerhaft über 7, eine Übersättigung des Urins mit Magnesium, Ammonium und Phosphat vorliegen und eine relativ geringe Urinabsatzfrequenz der Katze, d.h. der Urin muss bei entsprechendem pH-Wert und der Übersättigung lange in der Blase verweilen.

 

Eine Infektion mit Bakterien kann zu Struvitkristallen führen (auch dann, wenn z.B. Calciumoxalat vorliegt).

Die Bakterien (meistens Staphylococcus und Proteus) spalten den Harnstoff u.a. in Ammoniak (NH3). Das Ammoniak hydrolysiert zu Ammonium.

NH3+ H2OàNH4 + O2   dadurch sinkt die Wasserstoffkonzentration im Urin und der pH-Wert steigt.

Dadurch, dass der Harnstoff gespalten wird, werden zusätzlich Phosphationen frei, was die Übersättigung des Urins damit weiter verstärkt .

Ebenfalls bewirkt ein hoher Ammoniakgehalt im Urin, dass die Glykosaminoglycane (Glycosamine) in der Blase geschädigt werden, was die Anheftung von Bakterien an die Mukosa und die Kristallbildung fördert (nach der Kristallisationsinhibitionstheorie ist das Fehlen eines Hemmstoffes wie z.B. Zitrate oder Glycosamine (GAG) für die Kristallisation verantwortlich). Weiterhin führen die Bakterien in der Blase zu einer Verdickung der Blasenwand, was den Tonus der Blasenentleerung herabsetzt und somit eine vollständige Blasenentleerung erschwert.

 

Katzen, die Struvit ohne einen Zusammenhang mit einer Harnwegsinfektion bekommen, haben die Eigenschaft, den Urin in großen Mengen zu konzentrieren und weniger häufig Urin abzusetzen. Die Konzentration kann entstehen, indem die Katzen zu wenig Flüssigkeit oder Futter mit minderwertigen Proteinen und hohen Mineralstoffgehalt zu sich nimmt.

Weitere Ursachen sind die Fütterung von Trockenfutter, weil dies mehr Magnesium pro kcal Futter hat als Feucht- und Nassfutter. Dies erhöht die Aufnahme von Magnesium.

Des Weiteren kann ein Verweilkatheter eine bakterielle Zystitis entwickeln.

Andere Ursachen von FLUTD können noch sein: virale Zystitis, (virale Blaseninfektion) Tumor, Traumen.   (Nelson, S. 672-674, 683-686) 

 

Therapie:

Wenn eine bakterielle Infektion vorliegt, sollte mittels Resistenztest nach geeigneten Antibiotika gesucht werden und die Infektion behandelt werden.

Der Urin sollte mit Hilfe von Methionin angesäuert werden und bei einem pH- Wert von 6,2-6,6 liegen.

Methionin ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die Oxidation dieser Aminosäure führt zur Sulfatausscheidung im Harn und somit zu einer begleitenden Senkung des Harn pH- Wertes.

Struvit löst sich unterhalb von pH 6,6.

Die empfohlene Dosis bei DL Methionin liegt bei max.1 g pro Tag oder 1 bis -2 % der Trockensubstanz des Futters.

Wichtig ist ein hoher Fleischgehalt im Futter, weil Fleisch Methionin enthält und es somit zu einer Senkung des Harn pH- Wertes kommt.

Ebenfalls wichtig sind hochwertige Proteine, damit nicht zu viel Harnstoff in Leber und Niere gebildet wird und somit der Harnstoff im Blu niedrig ist. So steht weniger Harnstoff für die Bakterien zur Verfügung und die Konzentration des Urins nimmt ab. Minderwertige Proteine können den Harn pH-Wert ansteigen lassen. Da diese nicht zum Aufbau der Körpersubstanz genutzt werden können, müssen sie zur Energiegewinnung genutzt werden. Damit dies passiert, muss die Aminogruppe von der Aminosäure abgespalten werden. Diese wird über Ammoniak zur Harnstoff verstoffwechselt und über den Urin ausgeschieden. Wie bereits oben erwähnt, hat Ammoniak die Eigenschaft, Wasserstoffionen zu binden, wodurch deren Konzentration im Urin sinkt und der pH-Wert steigt.

 

Der Magnesiumgehalt sollte niedriger als 0,10 % der Trockensubstanz des Futters sein.

Hauskatzen brauchen nur 0,016 % der Trockensubstanz des Futters an Magnesium zur Erhaltung der Körpersubstanz (der Rohaschegehalt ist kein Indikator für den Magnesiumgehalt, weil der Magnesiumgehalt nicht immer mit dem Rohaschegehalt korreliert).

Das Calcium-Phosphor-Verhältnis sollte bei 1,1:1-1,2:1 liegen, weil sich Calcium und Phosphor gegenseitig neutralisieren und es somit zu keiner Übersättigung der beiden Stoffe im Harn kommt.

 

Zur weiteren Vorbeugung von Struvit empfiehlt sich ein Harn pH-Wert von 6,2-6,5 etwa vier bis acht Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme.

Nach der Futteraufnahme haben alle Katzen einen alkalischen Urin. Diese Wirkung, die „postprandialer alkalischer Anstieg“ (Case, S. 289)  genannt wird, entsteht dadurch, dass die Nieren durch den Verlust an Magensäure nach der Nahrungsaufnahme alkalische Ionen ausscheiden, um den Säure-Base-Haushalt aufrecht zu erhalten.

Wichtig sind die hochwertigen tierischen Proteine im Futter, denn die meisten im Handel erhältlichen Katzenfuttersorten enthalten viel Getreide, wodurch ein zu hoher alkalischer Urin erzeugt wird.

 

Ebenso ist eine Kontrolluntersuchung des Harnes mindestens einmal im Jahr wichtig.

Wenn eine Obstruktion vorlag, sollte noch zusätzlich fünf bis sieben Tage danach eine Harnanalyse und bakterielle Untersuchung erfolgen.

(Case, Carey und Hirakawa S. 283-286), (Nelson S.687-690, 679-680)

 

Calciumoxalat (Calciumoxalatmonohydrat):

(hier nur kurze Sätze ich hab darüber nicht so viel gefunden)

Ursache dieser Steine ist eine Übersättigung von Calcium und Oxalat im Harn und ein niedriger pH-Wert.

Die Löslichkeit von Calciumoxalat steigt mit einem pH-Wert von über 6,5 an, darunter wird es gefördert.

Weitere Ursachen können sein: ständig ansäuernde Diät und ein niedriger Kalium-Natriumgehalt.

Sie kommen häufiger in den Nieren vor und bei älteren Tieren.

Die Calicumoxalatsteine können meist nur chirurgisch entfernt werden.

 

Um Calciumoxalat vorzubeugen, empfiehlt sich:

 

- Ein Futter mit ausgeglichenem Calcium-Phopshor-Verhältnis von Ca:P 1,1:1 bis 1,2:1

Dies ist wichtig, damit nicht allzu viel Calcium über den Harn ausgeschieden wird. Wird zu viel Phosphor gefüttert, wird Calcium aus den Knochen mobilisiert und über den Harn ausgeschieden. Wird zu viel Calcium gefüttert, kann dies durch den Phosphoranteil nicht mehr neutralisiert werden und der Rest muss über den Harn ausgeschieden werden.

 

- Ein Futter mit nicht zu viel Natrium, da dies eine erhöhte Calciumausscheidung im Urin bewirkt, keine ansäuernde Diät, Urin im leicht sauren-neutralen Bereich.

(Nelson, S. 680), (Case, Carey und Hirakawa S. 283-286)

 

 

 

Literatur:

 

Nelson W. Richard, Couto Guillermo C. “Innere Medizin der Kleintiere”, 2003

 

Case, Carey und Hirakawa “Ernährung von Hund und Katze, Leitfaden für Tierärztinnen und Tierärzte“, 1999

 

 

 


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